Stefan’s Erfahrungsbericht

Ich bin 63 Jahre alt, männlich, und mir ist seit vielen Jahren bewusst, dass ich eigentlich zu viel „Speck auf den Rippen“ habe. Bei einer Größe von 1,85 m wog ich konstant zwischen 92 und 94 kg. Das ist zwar absolut gesehen nicht dramatisch, aber ein entsprechender BMI von über 27 gibt schon einen Hinweis auf ein gewisses „Abnehmpotential“.

Ich esse gerne und ich habe große Freude an gutem Essen, gerne auch etwas mehr. Das führte bei mir dazu, dass ich zwar abnehmen wollte, ich aber immer nur eine kurze Zeit durchgehalten habe. Damit fällt für mich das einfachste Abnehmen, nämlich durch weniger Nahrungsaufnahme, eigentlich aus, da mir dazu die Durchhaltekraft fehlt.
Von Diäten halte ich absolut nichts, da ich in meinem Bekanntenkreis oft gesehen habe, wie der berühmt-berüchtigte Jojo-Effekt im Endergebnis zu Gewichtszunahmen geführt hat.

Durch meinen Neffen, einem Ernährungsberater, wurde ich auf das Intermittent Fasting aufmerksam. Als ich die Protagonisten im Internet sah – junge Männer zwischen 20 und 30 Jahre alt – kamen mir große Zweifel, ob dieser Weg der richtige für mich ist. Die Fotos zeigten muskulöse Körper, die Beschreibungen drehten sich oft um die Frage, wie diese Art des Fastens mit anstrengendem Sport (Krafttraining) zu vereinen ist. Zu dieser Zielgruppe gehöre ich definitiv nicht (mehr).

In einem Gespräch vertiefte ich mich aber dann doch in die Philosophie des Intermittent Fastings und stellte fest, dass es einfach einen Versuch wert war.
Zum einen gefiel mir die Vorstellung, dass ich in einem fest definierten Zeitraum eigentlich essen kann, was mir gefällt, und zum anderen überzeugte mich auch der Umstand, dass es kein Problem ist, Ausnahmen zu machen. Für mich ist es ein Unding, bei einer schönen Geburtstagsfeier nicht am schönen Buffet teilnehmen zu können, weil ich gerade auf Diät bin.

Also habe ich damit angefangen, mir Gedanken zu machen, wie ich die neue Essensweise in mein Leben integrieren kann, ohne dass es mich und auch meine Frau (die keine Gewichtsprobleme hat) im normalen Tagesablauf behindert.
Ich beschloss einen acht- bzw. sechzehn-Stunden Rhythmus zu probieren. Konkret heißt das, dass ich wochentags ausschließlich zwischen 12 und 20 Uhr esse.

Gegen 12 Uhr esse ich mein erstes Essen in Form eines Müslis mit einem Apfel und etwas Trockenobst und Milch, manchmal auch noch eine Scheibe Brot mit Butter und Belag, wenn der Appetit zu groß ist. Nach einer Woche habe ich mich mit dem Verzicht auf eine Morgenmahlzeit nach dem Aufstehen so weit arrangiert, dass ich damit keinerlei Probleme mehr hatte. Manchmal hat der Magen zwar etwas geknurrt, aber ich habe dies als Zeichen genommen, dass der Körper Kalorien verbraucht.

Vor dem Abendbrot, das immer zwischen 18 und 19 Uhr als warme Mahlzeit stattfindet, habe ich relativ selten das Gefühl gehabt, noch etwas essen zu müssen. War das Bedürfnis zu groß, gab es noch ein belegtes Brot oder einen Apfel. Das Abendessen ist von der Art und Menge vollkommen normal. Ich habe alles gegessen, es gab keinerlei Einschränkungen. Ich habe auch nicht auf die Mengen geachtet, sondern mich einfach satt gegessen. Wichtig war, dass es tatsächlich nach 20 Uhr nichts mehr zu essen gab. Das war – ehrlich gesagt – die größte Herausforderung. Vor dem Fernseher zu sitzen und noch mal schnell zum Kühlschrank gehen, war in der Vergangenheit eher die Regel als die Ausnahme.

Apropos Ausnahme: Das überzeugendste Argument zum Beginn des Fastings war für mich die Aussage, dass es kein Problem ist, Ausnahmen zu machen, soweit man mehrheitlich seinem Programm folgt.
Für mich habe ich folgende regelmäßige Ausnahme definiert: Am Wochenende fällt das Fasting-Programm vollständig aus! Ich fange mit einem gemütlichen Frühstück ohne Einschränkungen an und esse auch tagsüber und abends ganz normale Mahlzeiten.

Auch Einladungen in der Woche werden grundsätzlich als Ausnahmen gesehen, bei denen ich esse, wann und was ich möchte. Auch im einwöchigen Urlaub habe ich mein Programm nicht vollständig durchgezogen, wenn mich ein schönes Mittagessen angelacht hat.

Wie geht es mir dabei? Ich habe durch die große Flexibilität, die ich selber für mich einrichten kann, keinerlei Probleme mit dem von mir definiertem Zeitrahmen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und kleine Sünden gab es und wird es auch weiterhin geben. Ich betreibe keinen Kraftsport, aber ich gehe regelmäßig Golf spielen, was den Körper schon recht beansprucht. Nach einer vier- bis fünfstündigen Runde, weiß man schon, was man getan hat.

Mein Eindruck war, dass ich mich fitter fühle und ich mich auch besser konzentrieren kann. Durch das limitierte abendliche Essen schlafe ich auch besser und tiefer, da mein Magen beim Zubettgehen nicht mehr so voll ist.

Alles in allem: ich fühle mich deutlich wohler und ich habe es endlich geschafft, die ersehnten Kilos abzunehmen. Ach ja: in den 11 Wochen meiner Umstellung habe ich 5,6 kg abgenommen. Ich werde schon manchmal darauf angesprochen, da der Erfolg sichtbar ist. Und: ich mache weiter!